Der amerikanische Politikwissenschaftler Samuel P. Huntington stellt in seinem Buch die Frage nach den weltpolitischen Entwicklungen im 21. Jahrhundert. Statt eines harmonischen Zusammenwachsens in einer zunehmend vernetzten Welt sieht er neue Konflikte globalen Ausmaßes entstehen: Konflikte zwischen den Kulturen. Die Weltpolitik des 21. Jahrhunderts wird nicht mehr von Auseinandersetzungen ideologischer oder wirtschaftlicher Natur bestimmt sein, so Huntingtons These, sondern vom Konflikt zwischen Völkern und Volksgruppen unterschiedlicher kultureller Zugehörigkeit. Der Faktor Kultur wird folglich in der internationalen Politik massiv an Bedeutung gewinnen. Mit „Clash of Civilisations“ hat Huntington eine neue Formel für die künftige Weltordnung formuliert. Provokant, spannend und international heftig diskutiert – ein Muss für jeden politisch interessierten Leser.
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Das Ende der westlichen Vorherrschaft Samuel P. Huntington beschreibt in seinem Klassiker „Kampf der Kulturen“ die Weltordnung nach dem Wegfall der Ost-West-Konfrontation. Seine zentralen Aussagen, die er ausführlich begründet, sind die, dass die Vorherrschaft der westlichen Welt zu Ende geht und dass die Grenzen der Zukunft nicht mehr die Ländergrenzen sind, sondern die Grenzen der Kulturen. Er beschreibt die verschiedenen, überwiegend religiös geprägten, Kulturkreise des 21. Jahrhunderts. Dabei glänzt er mit einem fundierten Detailwissen. Über seine Schlussfolgerungen kann man diskutieren. Die Widersprüche in der westlichen Kultur bringt der Autor treffend auf den Punkt: „Die Demokratie wird gelobt, aber nicht, wenn sie Fundamentalisten an die Macht bringt; die Nichtweitergabe von Kernwaffen wird für den Iran und den Irak gepredigt, aber nicht für Israel; freier Handel ist das Lebenselixier des Wirtschaftswachstums, aber nicht in der Landwirtschaft; die Frage nach den Menschenrechten wird China gestellt, aber nicht Saudi-Arabien; Aggressionen gegen erdölbesitzende Kuwaitis werden massiv abgewehrt, aber nicht gegen nicht-ölbesitzende Bosnier.“ (293) Huntington skizziert ein Beziehungsgeflecht zwischen den Kulturen, erläutert derzeitige Spannungsherde und prognostiziert künftige Konflikte. Da das Buch mittlerweile 20 Jahre alt ist, lassen sich seine Prognosen überprüfen. Der Autor hat die Krise zwischen Russland und der Ukraine vorausgesagt und auch seine Aussagen zur Entwicklung von China zur dominierenden asiatischen Macht bestätigen sich. Entsprechendes gilt für die Voraussage gewalttätige Strömungen im Islam. Gibt es künftig nur noch Kriege zwischen unterschiedlichen Kulturkreisen? Knapper werdende Ressourcen lassen m.E. vermuten, dass es auch in Zukunft zu Konflikten innerhalb gleichartiger Kulturen kommen wird. Huntington erläutert auf überzeugende Weise, wie Spannungen reduziert werden können: „In der kommenden Ära ist es also zur Vermeidung großer Kriege zwischen den Kulturen erforderlich, dass Kernstaaten davon absehen, bei Konflikten in anderen Kulturen zu intervenieren.“ (522) Auch müssen wir lernen: „Modernisierung bedeutet nicht notwendig Verwestlichung.“ (113)
Asti
4/5
29.08.2010
Buch (Taschenbuch)
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Ein Klassiker der Polit-Literatur! Bereits lange vor den Geschehnissen des 11. September legt Huntington dar, dass die Risse der Weltpolitik im 21. Jahrhundert nicht mehr wie seit dem Hochmittelalter entlang von Nationalstaaten zu finden sind, sondern dass kulturelle, ethnische wie religiöse Aspekte die zentralen Konfliktpotentiale der künftigen Weltpolitik sein werden.
Inhaltlich schön dargestellt, natürlich auch ohne Zweifel ein "muss man gelesen haben".
Bewertung
aus Freiburg im Breisgau
4/5
16.01.2007
Buch (Taschenbuch)
Gut, aber nicht anerkannt.
Die Beschäftigung mit diesem Werk lohnt sich sehr, die Thesen sind interessant und man wird auch ein wenig in die Weltpolitik eingeführt.
Allerdings muss man fairer Weise dazu sagen, dass Huntingtonm zwar ein anerkannter Wissenschaftler ist, dieses Werk allerdings aufgrund seiner spekulativen Aussagen und fehlernder Beweise bei Wissenschaftlern einhellig abgelehnt wird. Huntington selbst bestreitet die Mängel übrigens nicht, sondern räumt im Vorwort ein, dass dieses Werk nicht als wissenschaftliches Werk angesehen werden soll.
Man kann deshalb davon ausgehen, dass ein erheblicher Teil seiner Thesen die er aufstellt nicht zutreffend sind, interessant ist die Lektüre aber allemal.
Rene
4/5
10.10.2006
Buch (Taschenbuch)
Kampf der Kulturen
Ich hatte dieses Buch während des Präsenzdienstes beim Bundesheer gelesen und war gefesselt von den Ideen und Theorien. Aber je näher ich dem Ende kam, dachte ich mehr und mehr darüber nach und finde dass seine Theorien teils sehr weit hergeholt sind. Trotz der teiweisen Ablehnung seiner Theorie sollte man Huntington gelesen haben.
Mario Pf.
aus Oberösterreich
1/5
10.09.2008
Buch (Taschenbuch)
Vorschlag für eine Neue Weltordnung
Zusammen mit Nostradamus gesammelten Prophezeiungen war Samuel Philips Huntingtons "Kampf der Kulturen" eines jener Bücher, die im Zuge von 9/11 im unsicheren Klima des angebrochenen Jahrtausends Bestsellerstatus erlangten. Dabei wussten die wenigsten Leser dass Huntingtons Analyse der weltpolitischen Lage einem 1993 entstandenen Artikel für das hoch angesehene US-Magazin Foreign Affairs, dem konservativeren Gegenstück zur französischen Le Monde, entstammt. Als Reaktion auf das Feedback zu diesem Artikel begann Huntington seinen Artikel zum Buch auszubauen, die Theorien zu vertiefen und weil er ja als Berater des Außenministeriums galt, genoss das Buch sehr schnell große Anerkennung, wie es auch verteufelt wurde. Nun, Huntingtons Prophezeiungen haben sich bisher nicht erfüllt, die Stimmen welche US-Politikern und Thinktanks Kalten Krieg-Denkweisen vorwerfen sind lauter geworden.
Ursprünglich schrieb Huntington von einem "Clash of Civilisations?", ließ dann aber das Fragezeichen wegfallen und in deutscher Lizenzübersetzung wurde aus dem Zusammenprall der Zivilisationen ein Kampf der Kulturen. Doch so sehr sich Huntingtons Artikel seit 1993 durch Buch und Übersetzung verändert hat, so sehr hat sich auch die Welt verändert. Der Kampf der Kulturen ist lange vor der Jahrtausendwende entstanden, lange vor steigenden Ölpreisen und Rohstoffverknappungsängsten, Huntington konnte das nicht wissen, seine Theorien gehen daher von einer Weltordnung aus, die von der Euphorie des Friedens nach dem Kalten Krieg getragen wird, in der die Nationen keine größeren Probleme haben, als ihre kulturelle Homogenität und Zivilisation durch andere Religionen bedroht zu sehen, denn an der Religion verläuft laut Huntington die Hauptverwerfung im Kampf der Kulturen. Rückblickend wirken Theorien, wie die Kernstaatenthese zwar ideal, um sich Achsen des Bösen zusammenzuschustern und den Irak als Hort der Al Qaida anzugreifen, doch hoffnungslos veraltet und in Cold-War-Denkmustern verhaftet. Die Aufteilung der Welt in nun regionale Machtzentren und deren Einflusssphären, mit Konflikten an Überschneidungszonen, mag da als ideales Beispiel dienen.
Es ist nicht nur eine gewisse Naivität an Huntington, die von kulturellen und zivilisatorischen Standpunkten ein friedliches Zusammenleben von Menschen aus verschiedenen Regionen in Frage stellt, sondern auch die verschwiegene Implikation eines tiefgehenden WASP-Rassismus, der mitschwingt, aber erst in Huntingtons neuerem Werk "Who are we" zur Geltung kommt. Die USA sollen sich mehr an das kulturell und zivilisatorisch ähnliche Europa annähern, Europa jedoch die Führungskompetenzen der USA anerkennen und sich unterordnen. Im Falle der EU müsste das zu einem Ausschluss von Griechenland und Rumänien führen, da diese als mehrheitlich orthodoxe Staaten in einer Huntingtonschen Weltordnung keinen Platz in "Europa" hätten. Worte wie Überfremdung, ethnische Homogenisierung und Säuberung kennt Huntington anscheinend nicht, lässt Lesern aber die Möglichkeit offen, diese im Einklang mit seinen veralteten Theorien als legitim anzusehen. In den USA sieht Huntington die Ordnung durch die Zuwanderung der Latinos bedroht, dieser würden auf absehbare Zeit zur dominierenden ethnischen Gruppe im Lande werden und in seinem abschließenden fiktiven Szenario unterstellt er ihnen wenig diskret Unpatriotismus, liberale Denkweisen und Sezessionsabsichten, sollten sie Bundesstaaten durch Mehrheitsverhältnisse dominieren.
Fazit:
Veraltete Theorien, in irreführender Übersetzung, die schlicht und einfach zu sehr in Denkmustern des Kalten Krieges verhaftet sind. Dennoch ein Werk das man nicht nur gelesen, sondern auch darüber nachgedacht haben sollte.
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